Es war eine Zufallsdiagnose, die Bernd vor fast genau 20 Jahren erhielt.

Auf Drängen seiner Frau war er damals zur Darmspiegelung gegangen. Entdeckt wurde ein sieben Zentimeter großer Tumor am Darmausgang. Beschwerden hatte er nicht. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war bis zum diesem Zeitpunkt noch nie ernsthaft krank gewesen,“ erinnert er sich: „Ich habe die Diagnose zuerst auch nicht hinterfragt. Ich wollte das nicht wissen.“ Dann folgte ein erster Schritt. Meine Frau fragte mich mit dem Fingerzeig auf meine Zigaretten: „Willst du weiterrauchen?“ Nein, das wollte er nicht. „Mir wurde klar, ich muss mich jetzt mit meiner Krankheit und meinem Lebensstil auseinandersetzen“, sagt er.

Es ging aber erstmal noch weiter bergab. Nach der Operation stellte sich heraus, dass der künstliche Darmausgang (Stoma) nun dauerhaft bleiben müsse, nicht nur vorübergehend. „Ich wollte das noch nicht einmal ansehen, so fremd war mir das. Auch konnte ich mit niemanden sprechen, der eigene Erfahrungen mit einem Stoma hat.“

Das war eine schwere Zeit. Er las viel, machte sich vertraut mit der Stomaversorgung und gesunder Ernährung. „Mir war klar, ich muss in der Lage sein, mich selbst zu versorgen.“ Aus seinem Umfeld kamen wohlwollende Worte „Das wird schon wieder“. „Das könnt ihr doch gar nicht wissen“, dachte er damals und ging den nächsten Schritt. Er begann Fahrradzufahren – immer, wenn es möglich war. Und er suchte sich Hilfe bei der ILCO**. Das erste Gruppentreffen: „Für mich ein Reinfall“, erinnert er sich: „Dort waren nur alte Leute.“

Er ging nicht wieder hin, blieb aber in Verbindung und intensivierte sein Engagement für Betroffene. Heute ist er als Vorstandsmitglied, sowohl im ILCO NRW-Landesverband als auch in der Krebsgesellschaft NRW e.V., aktiv. Er macht Klinikbesuche und ist Ansprechpartner für Erkrankte und Angehörige – eine wichtige Arbeit für ihn. „Jemand der mir zeigt, dass man mit einem Stoma gut leben kann, das hätte ich mir damals auch gewünscht“. Auf die Frage, ob es ihn wütend mache, wenn Menschen die Angebote zur Darmkrebsvorsorge nicht wahrnehmen, antwortet er ruhig: „Nein, das nicht, aber ich versuche aufzuklären, dass es eine große Chance ist. Die Darmspiegelung kann Krebs nicht nur früh erkennen, sondern auch gänzlich verhindern. Das ist schon eine kleine Wunderwaffe gegen Darmkrebs.“                   

** Die Deutsche ILCO e.V. ist die größte deutsche Selbsthilfevereinigung von Stomaträgern, Menschen mit Darmkrebs.